IFA 2026 – Die Zukunft ist heute

Die IFA 2026 hat unter dem Motto „Die Zukunft ist heute“ erneut eindrucksvoll gezeigt, wie weit die Technik bereits ist und was in Zukunft noch möglich sein könnte. Von KI, Smart Home und Haushaltsgeräten über taktile Druckverfahren und Robotik bis hin zu Mobilität und Wellness waren zahlreiche Entwicklungen zu sehen. Doch was bedeutet diese Entwicklung für blinde und sehbehinderte Menschen? Bringt sie mehr Selbstständigkeit und Inklusion – oder entstehen neue Barrieren?

Ein deutlicher Trend geht zu immer stärker vernetzten Haushaltsgeräten. Küchengeräte kommunizieren miteinander und lassen sich per Sprache steuern. Licht, Heizung und Rollläden können sich an Tagesroutinen anpassen: Abends wird das Licht gedimmt und wärmer eingestellt, morgens heller. Rollläden fahren automatisch herunter und die Heizung sorgt rechtzeitig für ein warmes Zuhause. Kühlschränke können Lebensmittel erfassen, Ernährungsprofile berücksichtigen und passende Rezepte vorschlagen. Die vernetzten Geräte wählen anschließend automatisch die entsprechenden Einstellungen. Auch Waschmaschinen und Staubsaugerroboter werden immer intelligenter. Letztere können saugen, wischen, Hindernisse überwinden und künftig sogar herumliegende Socken, Schuhe oder Bausteine erkennen und aufräumen.

Gleichzeitig werden Haushaltsgeräte immer kompakter und energieeffizienter – etwa Mini-Waschmaschinen, kaum größer als eine transportable Kühlbox, Mini-Spülmaschinen oder multifunktionale Kücheneinbauschränke für kleinere Wohnungen.

Doch die Digitalisierung hat auch eine Schattenseite: Drehknöpfe und Tasten werden zunehmend durch Touchscreens ersetzt. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist das problematisch, denn fühlbare Markierungspunkte funktionieren bei einem reinen Touchscreen nicht. Auch bisherige Nachrüstlösungen mit Sprachausgabe könnten dadurch schwieriger werden. Barrierefreiheit wird zunehmend über Apps, Smartphones und Sprachassistenten gelöst – doch nicht jeder Mensch ist technikaffin.

Erfreulich ist, dass einige Unternehmen ältere Menschen als Zielgruppe berücksichtigen. Große Schrift, gut erkennbare und fühlbare Tasten, reduzierte Bedienelemente und übersichtliche Funktionen erleichtern die Nutzung, während eine Vernetzung weiterhin möglich bleibt. Das zeigt: Moderne Technik und einfache Bedienung müssen kein Widerspruch sein.

Besonders spannend sind die taktilen Druckverfahren. Sehenswürdigkeiten, Gebäude oder Stadtteile können vergleichsweise einfach und kostengünstig als tastbare Modelle via 3D-Druck hergestellt werden. Für Museen, Stadtführungen und Unterricht eröffnet das neue Möglichkeiten: was bisher nur beschrieben werden konnte, wird ertastbar. Auch Wandbilder und unterschiedliche Oberflächen können mittels diverser UV-Druckverfahren fühlbar dargestellt bzw. taktil bedruckt werden. Aus etwas, das bisher nur gesehen werden konnte, kann etwas werden, das auch gefühlt und begreifbar wird.

Ein weiterer großer Trend waren Roboter. Humanoide KI-gestützte Roboter waren nahezu überall zu finden. Noch können sie keinen kompletten Haushalt übernehmen oder Pflegeaufgaben zuverlässig erledigen, ihre Bewegungen werden jedoch immer flüssiger. Auch Roboterhunde könnten langfristig interessant werden – vielleicht sogar als technische Unterstützung für blinde Menschen. Daneben wurden Spielroboter sowie autonome Rollstühle mit Roboterarm gezeigt, die beispielsweise eine Trinkflasche greifen können.

Natürlich kommt bei so viel Technik auch das Haustier nicht zu kurz. Vorgestellt wurden z.B. Futter- und Trinkautomaten, teilweise mit der Möglichkeit, auch aus der Ferne mit dem Tier zu sprechen. Dazu kommen automatisierte Katzenklos und Roboter, die Katzen zum Spielen animieren sollen. So hält die Vernetzung offenbar nicht nur im Haushalt, sondern zunehmend auch im Zusammenleben mit unseren tierischen Mitbewohnern Einzug.

Auch Wellness und Arbeitswelt werden technischer: Ein futuristischer Massagesessel bewegt neben dem gesamten Körper auch Arme und Beine. In abgewandelter Form könnte dies vielleicht für bettlägerige Menschen interessant sein. Laufbänder am Arbeitsplatz sollen dem Bewegungsmangel durch zunehmend sitzende, digitalisierte Berufe entgegenwirken.

Die IFA 2026 zeigt damit enorme Chancen für mehr Selbstständigkeit. Gleichzeitig bleibt die entscheidende Frage: Was kann die Technik – und für wen ist sie nutzbar? Technischer Fortschritt und Inklusion müssen gemeinsam gedacht werden. Denn die Zukunft ist heute – und sie sollte eine Zukunft für alle sein.

Sandra Schurig (Sehhilfen / Low Vision)