Neues von Projekt Schule

Seite Anfang des Jahres 2024 sind wir mit dem Projekt „Schule“ unterwegs (Infos dazu auf unserer Webseite). Heute gibt es wieder drei aktuelle Berichte von den Erlebnissen vor Ort.


Projekttag in der 121. Oberschule Dresden

25 Schülerinnen und Schüler der Klasse 6 erwarteten uns und ebenso Gäste mit körperlichen Beeinträchtigungen zu einem interessanten Austausch. In zwei Gruppen eingeteilt, erfuhren die Jugendlichen Wissenswertes über verschiedene Behinderungen und wie wir damit umgehen.

Selbstverständlich gab es die Möglichkeit, etwas auszuprobieren: Fahren im Rollstuhl, gehen mit Blindenlangstock, den eigenen Namen in Brailleschrift schreiben. Einen starken Eindruck hinterließen die Simulationsbrillen. Seheinschränkung ist sehr vielfältig. Natürlich blieb auch Zeit für Fragen und aktuelle Zahlen zum Thema Menschen mit Behinderungen in Deutschland.


Schule mal anders in Weinböhla

Sind wir hier wirklich richtig? Das Navigationssystem führte uns zur Köhlerstraße 53 in Weinböhla. Die Umgebung sah nicht nach Schule aus. Die Straße fühlte sich einem besseren Feldweg ähnlich an und wir hielten vor Containern. Jedoch war viel los auf dem Hof und eine Lehrerin erwartete uns.

Den kompletten Tag durften wir mit 25 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7 und zwei engagierten Lehrerinnen gestalten. Die Begrüßung für Menschen und Hund fiel sehr herzlich aus, so dass wir uns sofort wohlfühlten. In den ersten 90 Minuten besprachen wir das Thema Mobilität und Verkehrsschutz. Für einige Kinder war nicht alles neu, sie haben Betroffene in der Verwandschaft. Wir zeigten unsere Hilfsmittel und vor der Pause probierten die Kinder das Gehen mit Langstock, auch unter Simulationsbrillen lesen (wenn man nicht mehr so viel sieht) oder geführt werden mit Wanderkugeln.

Die Zeit nach der Hofpause widmeten wir der Brailleschrift. Nach einer allgemeinen Einführung schrieb jedes Kind den eigenen Namen. Auch die Tafeln wurden intensiv genutzt, sogar für einen Geburtstagsgruß.

Nach der Mittagspause kam das Highlight für die Kinder, mein Hund. Streicheln und kuscheln war sowieso schon während der gesamten Zeit möglich. Nachdem ich berichtet hatte, wie so ein Tier arbeitet, wurde es noch einmal praktisch. Zunächst zeigte ich, was Lissi kann, ehe jeder mit ihr ein paar Schritte gehen durfte. Wir beantworteten viele Fragen unserer begeisterten und aufmerksamen Gruppe. Für uns alle war es ein sehr schöner Tag, und wir hoffen, dass wir wiederkommen dürfen. Die Lehrerinnen empfehlen uns gern weiter.


Lene-Voigt-Schule Leipzig: Mädchenrunde

10 Schülerinnen im Alter von 13 bis 16 Jahren, fast alle mit Migrationshintergrund, erlebten mit uns an zwei Projekttagen ein buntes, abwechslungsreiches Programm. Zur Einstimmung wurden der Imagefilm des BSVS und der Inklusionssong mit Video der Frankfurter Band „Blind Foundation“ gezeigt.

Gleich im Anschluss probierte jeder eine andere Simulationsbrille und hat sich der Gruppe vorgestellt. Einige fühlten sich unsicher damit. Bonbons und Gummibärchen nach Farben aussuchen und Getränk eingießen klappte recht gut. Erste Fragen ließen nicht lange auf sich warten.

Viel Zeit widmeten wir den Möglichkeiten der Brailleschrift: selbst lesen, den eigenen Namen schreiben und die Tafel ausprobieren. Das Kinderbuch mit den farbigen Reliefs war ebenfalls von Interesse.
Draußen zeigte Lissi, was ein Blindenführhund kann. Außerdem ging jedes Kind am Führgeschirr mit. Einen schönen Weg zwischen Grünanlagen nutzten wir, um die Langstöcke auszuprobieren.

In einer Abschlussrunde diskutierten wir über Hilfe und Verhalten im Straßenverkehr. Wir erlebten zwei ausgefüllte Vormittage und alle fühlten sich mit den verschiedenen Angeboten wohl.

Projekttag an der Grundschule Belgershain

38 Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 a und b verbrachten mit uns, ihren Gästen, einen spannenden und sehr lebhaften Vormittag.

Wie fühlt es sich an, nichts zu sehen, im Rollstuhl Hindernisse zu überwinden oder trotz Bewegungseinschränkung sportlich zu sein? Um die vielen Fragen zu beantworten, hat die Schule Vertreter des Körperbehindertenvereines Ortsgruppe Grimma und Mitglieder des sächsischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes eingeladen.

Die Highlights waren alle Aktionen zum Selbstausprobieren: Fahren durch einen schmalen Gang mit dem Rollstuhl, gehen mit Langstock oder Brille, welche Augenkrankheiten darstellt. Meine Hündin Lissi führte bereitwillig jedes einzelne Kind durch die Turnhalle. Jeder erhielt seinen Namen in Brailleschrift. Auch das Entziffern mit Hilfe des Alphabets bereitete Freude und hinterließ Eindrücke. Auch selbst etwas schreiben war möglich.

Ich habe viele interessante Fragen beantwortet und staune, was in der Kürze der Zeit alles angeboten werden konnte.

Bianca Weigert – Landeshilfsmittelzentrum

Unser Rückblick auf die SightCity 2024

Kennen Sie das? Manche Ereignisse werfen lange Schatten voraus, man bereitet vor, bespricht sich, arbeitet an der Umsetzung und dann ruck-zuck ist es auch schon wieder vorbei. So geht es uns jedes Jahr mit der SightCity. Die Messe ist einfach immer etwas ganz Besonderes.

Zum zweiten Mal fand die SightCity im Kap Europa statt, einem Messehaus in der Nähe vom Frankfurter Hauptbahnhof. Das moderne, vierstöckige Gebäude mit großer Glasfront steht inmitten von hohen Hoteltürmen und langen Bürogebäuden. Für die Messe wird es innen extra mit einem gut durchdachten Blindenleitsystem ausgelegt und Guides stehen bereit, um Besucherinnen und Besuchern mit Bändchen und grundsätzlichen Informationen auszustatten.

Unser Stand befand sich, wie im letzten Jahr, in der 4. Etage. Wir hatten uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht und Skizzen entworfen, wie wir den Bedürfnissen unserer Ratsuchenden am besten gerecht werden können. Eine frisch aufgebaute und sortierte Auslage strahlte nicht nur für die Besucher etwas sehr Schönes aus und war für alle übersichtlich, sondern es machte uns auch ein bisschen stolz und erfüllte uns mit Vorfreude. Zudem hatten wir eine Premiere: Frau Mehlhorn von der Aura-Pension „Villa Rochsburg“, die ebenfalls zum Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e.V. gehört, war mit einem eigenen Beratungstisch an unserem Stand vertreten.

Nach der Eröffnung der Messe für Besucherinnen und Besucher früh um 10 Uhr dauert es immer ein bisschen, bis diese in die 4. Etage vordringen, aber dann ist an unserem Stand kein Halten mehr. Wir führen im Laufe eines Tages unzählige Gespräche, oft so intensiv, wie wir sie auf keiner anderen Veranstaltung in einer solchen Fülle führen. Fremdsprachenkenntnisse werden herausgekramt, manche Verständigung findet mit Händen und sehr viel Fühlen statt. Kommen Gebärden- und Sprachdolmetscher zusammen mit den Ratsuchenden mit Hör-Sehbehinderung oder mit den Taublinden Menschen an unseren Stand, ist das für uns eine große Unterstützung für die Beratung der Betroffenen. Es ist bunt, es ist laut, es ist anstrengend und trotz allem… wir möchten keine Minute davon missen. Wir treffen Menschen, deren Stimme wir kennen und die uns an der Stimme erkennen und endlich kann man der Stimme ein Gesicht zuordnen. Mit großem „Hallo“ kommen alte Bekannte an den Stand und können ein paar kurze Worte wechseln. Aber natürlich gibt es auch immer viele interessante Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die uns und unser Angebot noch nicht kennen.

Wenn Zeit bleibt, schauen wir uns auch die anderen Stände der Messe an, um Neuheiten zu entdecken und mit anderen Ausstellern ein wenig zu plaudern.

Als am Freitagnachmittag die Besucherströme versiegt waren, folgte noch ein kurzer Kraftakt: Alles wieder abbauen und in unser Auto einladen. Aber dann ziehen wir müde und zufrieden ein Fazit: Schön war es mal wieder in Frankfurt und wir freuen uns schon auf Mai 2025.

Nächstes Jahr planen wir einen zweiten Stand in der ersten Etage der gemeinsam von unserer Optometristin und der Leiterin der Villa Rochsburg betrieben wird. Das LHZ werden Sie wie gewohnt an unserem Stand in der vierten Etage finden.

Barrierefreie Wahlen – für uns eine Selbstverständlichkeit

Bereits seit vielen Jahren, spätestens aber seit dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK), welches 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet und 2009 auch von Deutschland ratifiziert wurde, ist Barrierefreiheit endlich als Thema mitten in der Gesellschaft angekommen – auch wenn es in vielen Bereichen noch sehr viel Arbeit und Engagement bedarf. In einer demokratischen Gesellschaft sind auch freie Wahlen ein hohes Gut. Deshalb ist es elementar wichtig, dass auch Wahlen in einem barrierefreien Rahmen stattfinden, damit alle Menschen selbstbestimmt und möglichst eigenständig von Ihrem Wahlrecht Gebrauch machen können.

In Deutschland finden am 9. Juni die Wahl zum Europäischen Parlament und im September 2024 drei wichtige Landtagswahlen statt. Daneben gibt es auch noch zahlreiche regionale Wahlen.

Unser Text-, Grafik- und Audioservice des Landeshilfsmittelzentrum ist seit vielen Jahren kompetenter Partner, wenn es um die Ausgestaltung und Sicherstellung zugänglicher Wahlunterlagen und Stimmzettel geht. Nach der Abstimmung mit den Wahlbehörden werden in enger Zusammenarbeit mit unserer Koordinierungsstelle des BSVS e.V. im Herstellungsprozess die Stimmzettel aufgelesen, die Handhabung der Wahlschablonen und die Wahlmodalitäten erläutert. Es folgen Audioschnitt und der Masteringprozess durch unsere Mitarbeiter. Am Ende werden Audio-CD’s erstellt und in ausreichend großer Stückzahl vervielfältigt.

Es sind zwei Wahlschablonen und einige Stimmzettel-CDs zu sehen.

Aktuell werden die von uns produzierten CD’s inklusive barrierefreien Wahlschablonen in ganz Sachsen an die Mitglieder unseres Selbsthilfevereins Blinden-und Sehbehindertenverband Sachen e.V. versendet. Darüber hinaus können natürlich auch alle Nichtmitglieder die Unterlagen kostenfrei bei uns in der Koordinierungsstelle abrufen. Bei Bedarf (zum Beispiel ist das bei taubblinden Menschen relevant) werden die Stimmzettel auch in Brailleschrift bereit gestellt. So können sich blinde, seheingeschränkte sowie seh- und höreingeschränkte Menschen bereits im Vorfeld mit den Kandidaten und dem Prozedere vertraut machen und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.


Kontakt für barrierefreie Wahlunterlagen zum Europäischen Parlament für den Freistaat Sachsen:

Koordinierungsstelle des BSVS e. V.
Louis-Braille-Str. 6, 01099 Dresden
Telefon: (351) 80 90 621 | E-Mail: info@bsv-sachsen.de


Auch für die Bürgerschaftswahl der Hanse- und Universitätsstadt Rostock erstellen wir zusätzlich derzeit Stimmzettel-CDs. Diese werden jedoch nicht direkt über uns, sondern über die lokalen Wahlbehörden verteilt.